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"Fahrsicherheit: Anregungen für Ringfahrer - 2. Fahrzeug"

 
Ursprüngliche Nachricht
 
Veröffentlicht im Namen von
Alexander Brandner,
Bernard (Hoss) M. Piller,
Michael (zmi) Zieger,
Robert Kovac,
Robert (Doppel-R) Riesenberger,
Wolfgang (Wogo) Goedl,
Wolfgang (UFP) Obstmayer,
am 2000-10-26

2 Fahrzeug

2.1 Reifen

Moderne Rennsportreifen (nicht "Sportreifen") oder Slicks sind unbedingte Voraussetzung um sich auf die Jagd nach Rundenzeiten zu begeben. Besonders wenn man vor hat sich mehrmals in einer Saison auf den Ring zu begeben um an seiner Fahrtechnik zu feilen, macht sich die Anschaffung teurerer Rennsportreifen bald bezahlt, weil sie im Allgemeinen eine längere Lebenserwartung bei extremen Belastungen haben. Beispielsweise überhitzen die relativ harten und langlebigen Tourenreifen bei den Belastungen am Ring sehr schnell und bauen dann Material in unvorstellbarer Geschwindigkeit ab. Das kommt auf die Dauer zum Einen teuer, zum Anderen ist es auch sehr gefährlich, da ein überhitzter Reifen unberechenbar ist und die Sturzgefahr in jeder Kurve steigt.
Auf jeden Fall sollten die Reifen zumindest fast neu sein. Die Reifen werden auch bei "langsamen" Rundenzeiten bei weitem stärker beansprucht, als auf der Straße und zudem werden Reifen gegen Ende ihres meist Lebens rutschiger. Daß flotte Fahrer bzw. Fahrer mit starken Motorrädern nicht mit irgendwelchen Tourenreifen ala Macadam oder D 205 auf die Rennstrecke fahren sollten, sollte nach dem oben gesagten und den Erfahrungen die in afm immer wieder geschildert werden, klar sein.
Bei ambitionierten Ringfahrern sollten es zumindest sportliche Profilreifen wie Dragon EVO Corsa, Pilot RACE, D 208, oder 208GP sein. Ein guter Tip sind im Allgemeinen Slicks, da man an diesen Reifen durch das Reifenbild eher Fahrwerksprobleme erkennt, als bei Profilreifen. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, daß Slicks im allgemeinen mehr Grip bieten, als normale Straßensportreifen, und zudem auch in den meisten Fällen weitaus länger halten, als dies Profilreifen tun. Bei Slicks sollte man jedoch nicht vergessen, daß die teils immensen Gripreserven ein wabbeliges Fahrwerk (wie z.B. 12er Bandit) sehr schnell an die Grenzen bringen kann, obwohl sich der Reifen noch fadisiert.

Thema Reifendruck: Vorne 2.1 (2.0-2.3) Bar - Hinten 2.0 (1,9-2,2) Bar.
Das ist nur ein Richtwert und muß auf Fahrtechnik und Fahrwerk sowei Reifen abgestimmt werden. Grundsätzlich gilt: Der Luftdruck soll sehr viel niedriger als auf der Straße sein.
Den Druck unbedingt an jedem Ringtag in der Früh - bei kalten Reifen - kontrollieren.
Da meist auch ein Reifendienst auf der Rennstrecke anwesend ist, kann man den natuerlich um Rat fragen, was ich unkundigen Ringneulingen dringend raten wuerde, da der Reifendienst verstaendlicherweise meist ueber einen grossen Erfahrungsschatz bzgl. diverser Reifen verfuegt.
Reifenwärmer sind zwar sehr teuer (ab 7.000,- ATS) schonen aber die Reifen enorm und rentieren sich bei Vielfahrern bald. Ansonten Reifen unbedingt ein bis zwei Runden - auch im Sommer - warm fahren, bis angestofft wird und nicht wundern, daß sich der kalte Reifen wegen des geringen Drucks komisch anfühlt.

Reifen sind am Ring eine der einfachsten und relativ billigsten Möglichkeiten, die Fahreigenschaften des Motorrades zu verbessern.
Reifenbeispiele:
Michelin Pilot Race (nicht Sport), sowie die Michelin und Dunlop Slicks.
Tabellen mit Mischungen der Slicks auf http://www.bmpsystems.com/index_f.html
Pirelli Super Corsa oder Slick
Metzeler Rennsport oder Slick
Dunlop 207RR/207GP und 208RR/208GP

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2.2 Bremsen

Erhöhte Aufmerksamkeit sollte man auch der Bremse gönnen, denn da die Belastung der Bremsanlage auf der Rennstrecke weit höher ist, als auf der Strasse, verschleißen natürlich auch die Beläge schneller. Es ist durchaus möglich, daß an einem Wochenende ein Satz Bremsbeläge fällig ist - bei Serienbelägen eher unwahrscheinlich. Man sollte aber besser auch bei den Bremsen relativ neue Beläge verwenden, diese verhalten sich unter Belastung besser, als fast ganz abgenützte.
Nicht unbedingt notwendig sind sogenannte Rennbremsbeläge, aber sie sind zumindest für den sportlich ambitionierten Ringbefahrer eine Überlegung wert, da sie meist um einiges günstiger sind, als die Originalbeläge. Der Nachteil, daß die Beläge erst heißgebremst werden müssen, relativiert sich, da man die Reifen sowieso erst einmal warmfahren muß.

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2.3 Fahrwerk

Hier ist eines der letzten Refugien der großen Medizinmänner und Geheimniskrämer - die Fahrwerkseinstellungen.

Daher siehe:
http://www.bmpsystems.com/fahrtechnik/fahrwerk.html

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2.4 Verkleidung

Wer oft am Ring fährt, sollte sich überlegen von Sebimoto, Moto Forza oder anderen Firmen eine GFK Rennverkleidung zuzulegen. Sie kosten in etwa ab 4.000,- ATS, sind leicht zu montieren und sparen bei einem Hoppala enormes Geld im Vergleich zu teuren Originalteilen. Außerdem haben diese Verkleidungen auf Wunsch eine "Ölwanne", wodurch bei einem Motorschaden oder anderem Defekt, die Strecke nicht sofort mit Öl oder Kühlflüssigkeit zugesaut wird. Bei Modellen mit Ölwanne muß der Seitenständer entfernt werden.
Bezugsquellen beispielsweise in http://www.afm.at/faq/n1.shtml zu finden.

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2.5 Vorbereitungen für den Ring

2.5.1 Anbauteile abbauen

Spiegel und Blinker sind auf der Rennstrecke nicht wirklich notwendig und sollten daher von jedem - auch Eintagsfahrern - demontiert werden.
Auch sonstige Anbauteile wie Kofferträger, Dosenhalter, Lederfransen, Topcase usw... sollten demontiert werden.
Das Licht sollte auch abgedreht - und vielleicht auch verklebt - werden, ebenso ist es ein guter Tip, das Bremslicht zu deaktivieren.
Das hat für alle den Vorteil einer Reduktion der Verletzungsgefahr durch abstehende / zersplitterte Teile.

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2.5.2 Lampen, Blinker und andere leicht splitternde Teile

Abmontieren spart im Falle des Falles Geld, Abkleben geht schneller.

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2.5.3 Spiegel abkleben, anklappen oder abmontieren

Der Überholende hat sich um die Nichtgefährdung der Überholten zu kümmern. Jeder orientiert sich nur nach vorne. Niemand muß auf der Rennstrecke sehen, was hinter ihm passiert. Die Strecke ist vor dem Motorrad und ihr sollte die volle Aufmerksamkeit gewidmet werden. Daher ist es wichtig, daß man die Spiegel abmontiert, bzw. wenn das zu aufwändig ist, unbenutzbar macht.
Es ist ein großer Fehler, als langsamer Fahrer die Spiegel montiert zu lassen, um zu sehen, ob man überholt wird. Dadurch wird man unsicher, vergeigt sich die Linie und schenkt nicht der Strecke die volle Aufmerksamkeit. Dies ist aber aufgrund des meist doch höheren Tempos unerläßlich. Fahrer die von hinten kommen, und weit schneller sind, kommen sowieso vorbei, und rechnen im Allgemeinen damit, daß der Fahrer, den sie Überholen wollen, nicht plötzlich eine andere Linie fährt. Schaut man jedoch in den Rückspiegel, und will die Strecke freigeben, macht man genau das schlechteste, was man tun kann, nämlich ändert für den Hintermann überraschend die Linie, und der muß sich in kürzester Zeit darauf einstellen. Dies behindert mehr, als es hilft.

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2.5.4 Ständer

Montageständer für häufige Wartung und Reifenwechsel sind sehr nützlich.

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2.5.5 Betriebsmittelcheck

Öl-, Brems- und Kühlflüssigkeitsstand und Dichtheit aller Systeme vor jeder Fahrt kontrollieren. Das schützt vor Versagen des eigenen Gefährts und damit verbundenen Schäden und gilt daher für alle Ringfahrer.

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2.5.6 Betriebsmittelsicherung

Sinnvoll ist eine Drahtsicherung des Ölkreislaufs (Einfüllstutzen, Ölfilter, Ablaßschraube). Das erspart den anderen Ringfahrern eine Ölspur "falls der Deckel doch nicht ganz so fest drauf war"...
Ebenfalls sinnvoll ist der Austausch der Kühlflüssigkeit gegen reines Wasser. Das ist ebenfalls nicht so glitschig, falls mal der Kühlerschlauch abgeht oder der Kühler bei einem Sturz leck schlägt.
Das sind jedoch schon Tips für Nur- und Viel-Ringisierer und sind nicht mal bei jedem Veranstalter Vorschrift.

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2.5.7 Technischer Check

Das Motorrad sollte in perfektem Zustand sein, da der Verschleiß auf der Rennstrecke sehr viel höher ist: Bremsbeläge und Ölstand kontrollieren, Kette schmieren, Kettenspannung etwas lockerer als im Straßenbetrieb da es bei den starken Fliehkräften zu stärkerem Einfedern kommt.
Noch mal: Alte Reifen und Bremsbeläge verschleißen wesentlich schneller als im Neuzustand. Bei 50% Reifenprofil oder Bremsbelagdicke sind etwa nur noch ca. 25% Lebensdauer zu erwarten.

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