faq.jpg

"Fahrsicherheit: Anregungen für Ringfahrer - 3. Verhalten am Ring"

 
Ursprüngliche Nachricht
 
Veröffentlicht im Namen von
Alexander Brandner,
Bernard (Hoss) M. Piller,
Michael (zmi) Zieger,
Robert Kovac,
Robert (Doppel-R) Riesenberger,
Wolfgang (Wogo) Goedl,
Wolfgang (UFP) Obstmayer,
am 2000-10-26

3 Verhalten am Ring

3.1 Allgemeine Verhaltensregeln "Vorrang"

Wie schon in Punkt 2.5.3 angesprochen ist der Schnellere für die Sicherheit beim Überholen verantwortlich. Um das umsetzen zu können muß allerdings der Langsamere auf seine Linie achten: Keine abrupten Kurswechsel, da dadurch der Zu-Überholende den Überholenden und sich selbst gefährdet.
Es sei hier auch noch einmal auf die geistige und körperliche Vorbereitung hingewiesen, mehr dazu findet sich bei den Punkten 1.2, 1.3 und 3.5
Zu guter Letzt sei auch noch darauf verwiesen, daß es auf dem Ring keinen Feind gibt - außer sich selbst und natürlich den Gegenern beim Rennen ;-) - daher ist im Training und beim freien Fahren wie im Straßenverkerh die Rücksichnahme auf die anderen oberstes Gebot. Wenn alle mitdenken wird der größtmögliche Spaß auf der Rennstrecke erzielt werden.

[nach oben] [Inhaltsverzeichnis]

3.2 Flaggensignale

  • Weiße Flagge, in Form einer "8" geschwenkt: Überholverbot, Vorsicht Krankenwagen oder Dienstfahrzeug im nachfolgenden Streckenabschnitt (d.h. von diesem bis zum nächsten Streckenposten) auf der Strecke. Hält z.B. ein Krankenwagen oder Dienstfahrzeug in diesem Bereich an, wird zusätzlich die gelbe Flagge geschwenkt.
  • Weiße Flagge, stillgehalten: Überholverbot, Vorsicht Krankenwagen oder Dienstfahrzeug im übernächsten Streckenabschnitt (d.h. von nächsten bis zum übernächsten Streckenposten) auf der Strecke. Bei einem Halt dieser Fahrzeuge in diesem Abschnitt wird zusätzlich die gelbe Flagge stillgehalten gezeigt.
  • Gelbe Flagge, stillgehalten: Achtung, Gefahr; Hindernis auf oder an der Strecke bzw. Vorwarnung auf eine kommende größere Gefahr im übernächsten Streckenabschnitt. Überholverbot!
  • Gelbe Flagge, in Form einer "8" geschwenkt: Achtung, große Gefahr im nachfolgenden Streckenabschnitt, Geschwindigkeit reduzieren, zum Anhalten bereithalten. Überholverbot! Ist die Gefahr/das Hindernis beseitigt wird für zwei Runden die grüne Flagge gezeigt.
  • Gelbe Flagge mit roten Streifen: Öl oder Kraftstoff, bzw. auch stehendes Wasser oder Verunreinigungen auf der Fahrbahn. Sie wird solange gezeigt bis die gefährlichen Spuren beseitigt sind, falls notwendig auch geschwenkt.
  • Rote Flagge: Das Rennen/Training ist abgebrochen, langsam und mit größter Vorsicht und Aufmerksamkeit an die Boxen zurückkehren.
  • Grüne Flagge: Strecke frei. Sie wird den Fahrern zwei volle Runden gezeigt, wenn die in einem Abschnitt bestehende Gefahr beseitigt ist. Sie wird den Fahrern ausserdem am Ende des Streckenabschnitts gezeigt, indem aufgrund der gezeigten gelben Flagge (geschwenkt oder gehalten) Überholverbot besteht. Die grüne Flagge zeigt auch die Einsatzbereitschaft der Streckenposten (z.B. vor einem Rennen).
  • Blaue Flagge, stillgehalten: Überholvorgang durch schnelleren Fahrer steht in Kürze bevor.
  • Blaue Flagge, geschwenkt: Überholvorgang hat begonnen. Soweit Fahrer sich in einem Pulk von Motorrädern befinden, wird diesen die blaue Flagge nicht gezeigt.
  • Schwarze Flagge: Wird in Verbindung mit einer Startnummer gezeigt. Der betreffende Fahrer wird angewiesen an die Boxen zurückzukehren und weitere Anweisungen abzuwarten.
  • Schwarz/weiß karierte Flagge: Das Rennen/Training ist ordnungsgemäß beendet, unter verminderter Geschwindigkeit an die Boxen zurückkehren.

[nach oben] [Inhaltsverzeichnis]

3.3 Die ersten Runden

Nun, ganz egal womit man jetzt fährt, ob das ein Hypersportler mit Slicks ist, ob das ein Nakedbike mit Sportreifen ist, oder sonstwas... es ist wichtig, zumindest die ersten ein bis zwei Runden eher gemütlich angehen zu lassen, da ja die Reifen warmgefahren werden müssen, man sich einen Überblick über die Strecke und deren Beschaffenheit verschaffen muß und um vor allem ein Gefühl für das Rennstreckenfahren zu bekommen.
Es ist nicht so banal wie man glaubt. Eine bis zu 15 Meter breite Fahrbahn kann einen schon auch irritieren.
Vorausgesetzt die Strecke ist sauber und trocken (meist der Fall *g*) fahren wir mal die Reifen warm. Es ist anzuraten, eben die besagten ersten beiden Runden eher gemütlich anzugehen. Dabei kann man ruhig ordentliche Schräglage fahren, jedoch am Kurvenausgang nicht zu heftig am Gas drehen, da die Reifen an der Flanke noch nicht richtig warm sind. Gleich in den ersten Kurven wird der normale Straßenfahrer in den meisten Fällen mehr Schräglage fahren, als er das auf öffentlichen Straßen bisher gemacht hat. Daran muß man (das Hirn) sich erst gewöhnen. Auch das scharfe Anbremsen von Kurven sollte man in den ersten beiden Runden vermeiden, aus den selben Gründen.
Nach zwei flüssigen aber eher rund gefahrenen Runden kann man davon ausgehen, daß die Reifen nahe an der Betriebstemperatur sind, und kann die Sache je nach Geschmack etwas schärfer angehen. Daß man dabei nicht sofort versuchen sollte, die Rundenzeiten eines Superbikemeisters zu unterbieten dürfte logisch sein.
Den meisten Spaß wird man haben, wenn man am Ring in etwa mit dem gleichen Einsatz wie sonst auf der Straße fährt, und sich dabei gefühlsmäßig noch Reserve offen läßt. Dann ist man entspannt unterwegs. Wenn man schon nach einer oder zwei Runden mit Herzklopfen und total verschwitzt in die Boxenstraße fährt, ist das ein Zeichen, daß man weit über seinem Limit unterwegs ist. Das bringt nix. Garnix.
Am besten total entspannte Runden drehen, und dabei darauf achten, was das Motorrad tut. Spürt man Rutscher, wackelts wo, rubbelts oder stempelts wo...etc. Auch sollte man sich bewußt sein, daß wenn man auf der Rennstrecke mit dem Motorrad unterwegs ist, und dort schneller fährt, als man es sonst tut, man richtig kräfteraubenden Motorsport betreibt. Das muß einem immer bewußt sein, denn man muß darauf gefaßt sein, daß man nach fünf oder sechs Runden (das sind oft keine 30km!) derart erschöpft ist, wie man es sonst nach einer 300km-Ausfahrt auf der Straße nie war.
Man sollte versuchen, die Zeichen, die einem der Körper gibt, auch zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Beginne ich mich nach ein paar Runden zu verbremsen, verpasse ich plötzlich den Einlenkpunkt einer Kurve, die mir davor keinerlei Probleme bereitet hat, dann ist das ein Zeichen von nachlassender Konzentration, die wiederum auf körperliche Erschöpfung zurückzuführen ist. Die Arbeit, die man am Motorrad leistet, ist nicht zu unterschätzen. Merke ich, daß die Konzentration nachläßt, dann ist das ein Zeichen sofort in die Box zu fahren, bzw. die Runde gemütlich ohne weitere Ambitionen zu ende zu fahren. Es ist davon abzuraten "noch eine Runde" zu fahren, weil man sich grad so schnell fühlt, oder weil "ich den da vorne sicher no derwisch". Das sind meist die Runden, in denen man stürzt.

[nach oben] [Inhaltsverzeichnis]

3.4 In der Box

In der Box ist es dann wichtig, sich einen schattigen Platz zu suchen - am besten mit ein paar Freunden eine Box mieten oder sich wo dazumieten - den warmen Lederkombi auszuziehen, bzw. für gute Lüftung zu sorgen (hat nix mit dem Gestank zu tun *g*), und vor allem - nicht nur im Hochsommer - VIEL trinken. Trinken ist unheimlich wichtig. Es ist nicht notwendig, sich mit irgendwelchen isotonischen Supergetränken vollzuschütten, da das meist nichts bringt.
Ein guter Tip, den ich vom Rennarzt Dr. Scholl bekommen habe, lautet: Apfelsaft gespritzt. Am besten in der Mischung 1/3 Apfelsaft auf 2/3 Soda. Das gibt dem Körper was er braucht.
Man kann sich während der Entspannungsphase die Strecke nochmals im Kopf durchgehen lassen, und sich überlegen, warum einem die eine oder andere Kurve(-nkombination) eventuell vorhandene Probleme bereitet. Ist man nach den gefahrenen Runden extrem außer Atem oder schwitzt wie blöd (außer es hat halt 35°) ist das auch ein Zeichen, daß man sich zuviel zugemutet hat. Je entspannter man von seinem Turn zurückkommt, desto sicherer und besser war man unterwegs.
Apropos Turn: Es hat keinen Sinn, mit Gewalt zu versuchen, 20 oder 30 Runden abzubiegen, bloß weil man "für sein Geld auch was haben will". Es empfiehlt sich, die einzelnen Turns so um maximal 10 Runden anzulegen, das hat sich für den eher unerfahrenen Ringfahrer als optimal erwiesen. Diese Rundenzahl entspricht je nach Kurs und Tempo in etwa 20-30 Minuten! Und fast eine halbe Stunde vollste Konzentration und ununterbrochene körperliche Arbeit können schon sehr kräfteraubend sein.

[nach oben] [Inhaltsverzeichnis]

3.5 Die richtige Ernährung

Dieser kurze Leitfaden ist von Dr. med. Christoph Scholl's Internetseite (http://www.dr-christoph-scholl.de):

Höchste Aufmerksamkeit gilt dem Flüssigkeitshaushalt: Viel trinken heißt die Devise. Viel bedeutet unter extremen Belastungen im Renntraining oder bei großer Hitze mindestens fünf Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde. Ein 80-Kilo-Mensch muss dann jede Stunde 0,4 Liter zu sich nehmen. Bei normalen Temperaturen sollten unterwegs 2.5 Liter pro Tag getrunken werden. Oben auf der Liste stehen Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte oder Tee. Kaffee wird nicht zur Trinkmenge dazu gerechnet da er dem Körper mehr Wasser entzieht als zuführt.
 
Im Idealfall bestehen in Phasen körperlicher Belastung 70 Prozent der Ernährung, aus Obst und Gemüse. Versteckte Fette und Zucker, zum Beispiel in Cola, Schokoriegeln, Chips und Pommes sind eine messbare Leistungsbremse für Sportler. An Stelle von Elektrolyt-Getränken reicht es auch, am Tag ein bis zwei Bananen. Jetzt im Sommer auch Melonen, zu essen und ein-einhalb Liter Apfelsaftschorle plus prickelndes Mineralwasser mit einem Schuss Zitronensaft zu sich zu nehmen.
 
Auf langen Touren oder bei Langstreckenrennen braucht man natürlich auch entsprechende Power in Form von Kohlehydraten. Da sind die berühmten Spaghetti in allen Variationen, mit und ohne Gorgonzola oder Bolognesen-Soße, der absolute Renner. Daneben geben frisches Gemüse, Bananen, Musli und Vollkorngebäck die nötige Energie.
 
Unterwegs ist die Nahrungszubereitung oft eingeschränkt. Zur Not tut es dann auch Tomaten-Tütensuppe mit eingeschnitten Tomaten, eine Banane mit Joghurt oder Vollkornbrötchen mit körnigem Frischkäse.
 
Generell sollte man während der Urlaubstour oder im Renntraining Zucker, Fette und zuckerhaltige Getränke meiden - sie führen zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen. Als Motorradfahrer bietet es sich an, Mittag- und Abendessen zu tauschen und höchstens abends warm zu essen.
 
Dr. med. Christoph Scholl

[nach oben] [Inhaltsverzeichnis]

left_e.gifClick to goto the Table of Contentsright_e.gif