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Date: Sat, 9 Dec 2000 15:29:15 +0100
From: Hermann Graef <donald@gams.at>
Message-ID: <RGYyOkQPR7H+uaC%3DDIxMyDBi4x+K@4ax.com>
Subject: Bericht: OMMA Rennen 

Also, das wichtigste zuerst, damit Michi, Volki und Phillip nicht
alles lesen müssen, die Unzerstörbare hat ganz schwer versagt.
Ich will da jetzt garnicht herumlabern von wegen keine Pflege usw.
Eine XR400 hat das auszuhalten.
Irgendwas bei der Kupplung ist hin, näheres weiß man noch nicht.
Und jetzt der Reihe nach.
Wie jedes Jahr gab´s auch dieses Jahr das beliebte Krampus Rennen der
OMMA.  (http://212.17.89.149/~hannes/omma/omma.html)
Wie ebenfalls jedes Jahr war die afm Enduro-Sektion vertreten.
Dieses mal sogar mit zwei Teams wenn man das weitere afm Umfeld mit
einbezieht.
In leidvoller Erinnerung an das letzte Jahr starteten Raoul und ich
als "Scuderia Lanterna Rossa". Fixer Vorsatz, die Vorjahresplazierung
deutlich zu verbessern.
Berndi und Robert traten unter dem Namen "Schwertransport" an. 
Fixer Vorsatz: 
Nicht letzter werden
Die Wixer von Lanterna Rossa herbrennen
Herbrennen.
Der Prolog nach Roadbook durch Ortsgebiet und über Schotterstrassen
musste leider nach wenigen Fahrern aufgrund sehr deutlicher
Mißfallenskundgebungen der massenhaft vertretenen örtlichen
Jägerschaft abgebrochen werden.
Also im Konvoi zur Schottergube.
Dort wird das latent vorhandene ungute Gefühl angesichts der
Streckenführung und der Bodenverhältnisse binnen Sekundenbruchteilen
zu nackter Panik.
Hinzu kommt, daß hier plötzlich jede Menge Leute mitfahren von denen
man weiß, daß sie´s _wirklich_ können.
x-fache Trial Staatsmeister, langjährige Enduro
Staatsmeisterschaftsfahrer (auch solche die gelegentlich gewinnen),
mehrfache Rallye Teilnehmer, auf hohem NIveau agierende Crosser,
solche Leute halt.
Der Apell von el presidente zu kollegialem Fahren und rücksichtsvollen
Überholmanövern vermag da nur mäßig zu trösten, wird aber von fast
allen befolgt.
Gut, Raoul macht den Startfahrer und kommt nach ca. 30 min. schwer
geschlaucht zurück. Berichtet irgendwas von "komplett deppat,
Oaschlecha....)
Ich fahre also mäßig motiviert los.
Dem OMMA Reglement entsprechend mußte ich in der Zwischenzeit eine
Flasche Bier trinken, bin also schon etwas lockerer.
Praktisch profillose, weilabgefahrene Crossreifen sind allerdings bei
Schlamm nicht die erste Wahl.
Aber echt nicht.
Ich quäle mich also über Steilhänge, Abfahrten, Sprunghügel,
Kiesberge, gewaltige Schlammdurchfahrten und was es halt im Gelände
sonst noch so gibt.
Hin und wieder brülle ich in den Helm, manchmal weine ich ein bißchen,
sehen tu ich genau nix, in der Zwischenzeit hat´s nämlich zu regnen
begonnen, Crossbrille und Brille sind total beschlagen, zudem habe
ich, ebenfalls einer Tradition beim OMMA Rennen folgend meine Brille
zerstört, es ist also echt super.
Nachdem ich Gott, die Welt, den Tag an dem ich geboren wurde,
Motorräder, Schlamm, meine Reifen, das Wetter und überhaupt alles
verflucht habe, ein paarmal Steilhänge runtergefallen bin, die XR
sowohl an- als auch nur so getreten habe, stelle ich fest, das die XR
kupplungsmäßig nimmer recht dabei ist.
Soll heissen, sie kuppelt einfach nimmer.
Hätte ich nicht auf der Strecke eine gute Seele getroffen die mich ein
wenig getröstet hat, wäre ich vermutlich mit einem dumpfen Knall
einfach vor Zorn geplatzt.
So besinne ich mich meines Mantras (scheiss di ned o) und quäle mich
weiter.
Hab ich geschrieben vorher war´s orsch?
Weit gefehlt, das war ein Spaziergang verglichen mit der folgenden
Schinderei.
Unpackbar.
Das Puplikum wirft mir höhnische Blicke zu, ein Streckenposten macht
sich ernsthafte Sorgen um meine Gesundheit (Oida, du hoist da an
Herzinfarkt) und lüftet nebenbei das Rätsel wozu diese Druckknöpfe bei
Endurojacken gut sind, (damit man nämlich zwar nicht nass wird, aber
trotzdem ein bißchen Lüftung hat. Ein echter Fortschritt gegenüber dem
Reissverschluss), und ich glaub´ ein kleiner Bub fragt seinen Vater
warum hier auch Behinderte mitfahren dürfen.
Irgendwie schaffe ich es die Runde fertigzufahren und komme völlig
streichfähig in die Wechselzone.
In Ergänzung des üblichen Dialoges (Oaschlecha, voll deppat...) teile
ich Raoul mit, daß ich jetzt drauf scheisse, die XR hin ist, ich mich
ganz bestimmt nie wieder auf eine Enduro setzen werde und mich sowieso
alle am Arsch lecken können.
Raoul macht sich gottergeben auf seine Runde, 
Berndi schaut triumphierend.
Nach einiger Zeit kommt Raoul zurück (Oaschlecha, total deppat...) das
übliche halt. Erweitert um "mi kannst vergessen"
Berndi schaut triumphierend.
Dumme Situation.
Ich versuche also mich mit der GasGas auf die Runde zu machen.
Bin zuvor exakt einmal mit einem 2Takter gefahren.
Ich schaffe es bis zum ersten Steilhang, dort beschließe ich, daß
diese Verhältnisse denkbar ungeeignet sind um das Fahren mit 2Taktern
zu lernen und fahre zurück in´s Fahrerlager.
Raoul trägt´s wie ein Mann und macht sich auf seine nächste Runde.
Berndi schaut triumphierend.
Ich trinke noch ein paar Flaschen Bier (ehrlich, das _muß_ man beim
OMMA Rennen) und fühle mich elend.
Berndi schaut triumphierend.
Raoul absolviert seine Runde und leistet mir im Anschluß dabei
Gesellschaft mich elend zu fühlen. Umsomehr als ihm irgendeine
Enduro-Verletzung scheinbar echt weh tut.
Berndi schaut siegessicher.
Nach einiger Zeit beschließe ich, daß nicht sein kann was nicht sein
darf und unternehme noch einen letzten verzweifelten Versuch mit der
GasGas.
Berndi schaut leicht verunsichert.
Steilhänge, Schlamm, Abfahrten usw. usf. kennen wir schon.
In einer kurzen Phase in der ich darauf vergesse mein Leben zu hassen
stelle ich fest, daß es eigentlich ganz gut geht.
Irgendwie sogar ganz spassig ist.
Tatsächlich, wenn man sich mal daran gewöhnt hat ist so ein 2Takter
super zu fahren.
Bissi hysterisch, aber man gewöhnt sich dran.
Und sich nicht bei jedem Steilhang überlegen zu müssen wie man tut
damit die Kraft irgendwie reicht hat auch irgendwie was.
Von jetzt an fliege ich nicht mehr hin sonder konzentriere mich auf´s
Fahren.
Passagen die bisher annähernd unbewältigbar waren sind ein
Kinderspiel, das Puplikum tobt, der Streckenposten applaudiert und ich
bin mir fast sicher, daß ein kleiner Bub seinen Vater fragt warum er
so ein Weh ist, und ob er ihm wenigstens ein Autogramm von mit
besorgen kann.
Ich fahre also mit spielerischer Eleganz meine Runde fertig und finde
mich unversehens in der Startzone wieder.
Nachdem´s gut funktioniert hat beschließe ich gleich noch eine Runde
anzuhängen.
Raoul ist ein bissi beeindruckt.
Berndi schaut deppat.
Harrharrharr.
In der zweiten Runde geht der GasGas zwar das Benzin aus, ich finde
aber schon nach wenigen Minuten den Benzinhahn, und sie hätte ja statt
mitten im Steilhang auch an einer wirklich unangenehmen Stelle
absterben können.
Nicht daß mir eine einfällt, aber es wird schon was geben.
Ich will jetzt nicht mit Details langweilen, den unvergleichlichen
Überholmanövern, den sowohl in ästhetischer als auch in fahrerischer
Hinsicht perfekten Drifts, dem selbstverständlichen Bewältigen
eigentlich als unfahrbar geltender Passagen.....
Und das alles mit einem MOtorrad mit dem ich noch nie gefahren bin.
Mit einem Motorenkonzept mit dem ich null Erfahrung habe.
Aus einem Land, mit Motorrädern aus dessen Produktion ich noch nie
gefahren bin.
In einer Farbe die noch kein MOtorrad hatte mit dem ich....
Naja, das führt jetzt evtl. ein wenig zu weit.
Fast bin ich ein bißchen enttäuscht, daß das Rennen nach dieser Runde
abgewunken wird.
Ich wär sicher noch eine Runde gefahren.
Dann hätt´s der Berndi nie wieder gepackt.
Ergebnisse: 
Scuderia Lanterna Rossa: Platz 30
Team Schwertransport: Platz 31.
"tosendes höhnisches Gelächter*
Gewaltiger, endgültiger Triumph.
Die Geschichte des Motorradsportes wird umgeschrieben werden müssen.
Für´s nächste Jahr kommt eine GasGAs in´s Haus und ich trainiere öfter
als einmal.
Und dann werden wir in´s Mittelfeld vorstoßen.